THG-Quote: Zwischen Cashback und Ablasshandel

Drei Buchstaben lösen unter Elektroauto-Fahrern derzeit kontroverse Diskussionen aus. THG (nicht zu verwechseln mit THC!) ist das Kürzel für den sperrigen Begriff Treibhausgas-Minderungsquote, oder kurz: THG-Quote. Electrify-BW erklärt, worum es dabei genau geht.

Mit der Treibhausgasquote will die Politik, vereinfacht gesagt, vom Verkehr ausgehende Emissionen deutlich senken und klimaschonende Antriebsarten fördern. Hauptsächlicher Klimakiller ist CO2, Bestandteil des Abgases aus herkömmlichen Benzin- und Dieselfahrzeugen. Aufgrund von Beschlüssen der Europäischen Union (EU) und des Deutschen Bundestages ist die Mineralölwirtschaft verpflichtet, ihre Treibhausgasemissionen zu senken. Zudem soll sie in saubere Alternativen investieren. Das von der EU gesteckte Ziel sind 14 Prozent erneuerbare Energien im Verkehr bis 2030.

Der Druck steigt

Die Treibhausgasminderungs-Quote wird von aktuell sechs Prozent schrittweise auf 25 Prozent im Jahr 2030 angehoben. Erfüllen Mineralölkonzerne die auferlegte Quote nicht, drohen empfindliche Strafen. Diese steigen von Jahr zu Jahr. Vermeiden kann die Branche diese Zahlungen durch eigene Anstrengungen. Zur Kompensation kann sie auch THG-Zertifikate aus dem THG-Quotenhandel kaufen. Dass in der Folge Benzin und Diesel immer teurer wird, ist von der Politik beabsichtigt. Der Druck auf private Autofahrer und Fuhrpark-Betreiber zum Wechsel auf Fahrzeuge mit sauberem Antrieb steigt.

Von 2022 an kann nun jeder Eigentümer eines batterieelektrisch angetriebenen Autos von der THG-Quote profitieren, indem er sein Zertifikat an einen Dienstleister abtritt. Das Recht zum Handeln hat der Gesetzgeber an eine Mindestanzahl an Zertifikate geknüpft.

Dienstleister sammeln Zertifikate ein

Experten gehen davon aus, dass zum Auftakt im kommenden Jahr zwischen 130 und mehr als 200 Euro pro E-Pkw zu erzielen sind. Der endgültige Preis steht erst nach Abschluss des Quotenhandels im Frühjahr 2022 fest. Für die Folgejahre sagen Analysten noch höhere Beträge voraus. Wer sich bereits jetzt bei einem Anbieter anmeldet, sollte darauf achten, dass die zugesicherte Vergütung mit dem Quotenerlös wächst.

Um die Gunst der E-Mobilisten buhlen derzeit Dienstleister wie etwa Fairnergy, eQuota, Smartificate, geld-für-eAuto oder Maingau. Sie sammeln Zertifikate ein und werben in der Regel nach Abzug ihrer Provision mit Barvergütung. Fairnergy bietet hingegen auch an, die Prämie in CO2-Kompensationsprojekte zu reinvestieren oder ein Guthaben für 2000 Kilometer Fahrstrom bei &Charge anzulegen.

Elektroauto-Besitzer diskutieren den THG-Quotenhandel kontrovers. Zwei Lager beharken sich in diversen Internetforen. Die eine Seite findet den Ansatz der Politik positiv und freut sich auf etwas Cashback. Die andere Seite glaubt nicht an die erzieherische Wirkung der THG-Quote. Begriffe wie Greenwashing für Mineralölkonzerne, Ablasshandel und Mumpitz machen die Runde.

Schluss mit Auswüchsen

Die verbreitete Skepsis ist aufgrund von Auswüchsen im Quoten- oder Zertifikatehandel in der Vergangenheit nachvollziehbar. Damit soll nun aber Schluss sein: Die THG-Zertifikate, so heißt es aus Berlin, dürften nur einmal verkauft werden. Das entsprechende Gesetz sieht zudem vor, dass die nicht von Pkw-Besitzern beanspruchten Quoten von der Bundesregierung verkauft werden. Diese Erlöse fließen aber nicht an die E-Auto-Besitzer, sondern vollständig in die Staatskasse.

Zuständig für die Abwicklung des THG-Quotenhandels ist der Zoll.

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Zum Spannungsfeld Klimaschutz und Elektromobilität hat Electrify-BW einen Faktencheck durchgeführt. Die dabei entstandene Broschüre kann hier kostenlos bestellt werden.

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